200 Jahre Radfahrgeschichte(n) vom Niederrhein in Wesel

Ein Nachbau des ersten Fahrrads. Es stammt von Frank Hülsemann, der sich damit vor Ostern von Mannheim nach Paris aufmachte. Karl von Drais stellte seine Laufmaschine 1818 in Paris vor. Foto: Erwin Pottgießer

Am Sonntag eröffnet das neue LVR-Niederrheinmuseum Wesel seine erste Sonderausstellung. Es dreht sich alles ums Fahrrad – von einst bis heute.

Fahrradfahren am Niederrhein, das boomt. Immer mehr Menschen finden den Weg in die flache Gegend mit ihren vielen Radwegen auf den Deichen, durch die Wälder und über Felder. Wer meint, dass auf dem platten Lande erst in den letzten Jahrzehnten gern geradelt wird, täuscht sich. Das zeigt eindrucksvoll die neueste Sonderausstellung im LVR-Niederrheinmuseum, die eigentlich schon zum runden Geburtstag des Fahrrads im vergangenen Jahr gezeigt werden sollte. Nun wird „hin & weg – 200 Jahre Fahrradgeschichte am Niederrhein“ ab Sonntag, 15. April, zu sehen sein, mit vielen überraschenden Erkenntnissen.

Radrennen von Dortmund über Wesel nach Bochum

Denn schon im frühen 20. Jahrhundert wurde der Niederrhein als Radsportgegend bekannt. Es gab Rennbahnen und Straßenrennen, so wie 1911 von Dortmund über Münster und Wesel nach Bochum, sagt der wissenschaftliche Mitarbeiter Thomas Ohl. Der Landrat des Kreises Moers verteufelte damals sogar die allsonntäglichen Radrennen als „wahre Landplage“. Der in den 1920er Jahren gegründete Motor- und Radsportverband „Solidarität“ am linken Niederrhein umfasste mehr als 5000 Mitglieder, wurde aber von den Nationalsozialisten verboten. Heute ist er noch in Kamp-Lintfort und Moers vertreten, während es in Wesel keinen Radsportverein mehr gibt.

Das gilt auch für die Fahrradmanufakturen in Wesel. Becco, Vesalia und Hugo Vollmering waren ihre Namen. Letzterer ist der Vorgängerbetrieb von Zweirad Hetkamp an der Korbmacherstraße, weiß Thomas Ohl.

630 Kilometer in knapp 26 Stunden

Die Ausstellung zeigt die unterschiedlichsten Fahrradexemplare. Da ist zum Beispiel das Fluchtfahrrad von Ernst Humberg. Der Jude fuhr damit von Dingden aus nach Holland, um sich vor den Nazis in Sicherheit zu bringen. Oder das Fahrrad der Widerständler, die in den Schläuchen ihre Schriften versteckten und sie so an den Mann oder an die Frau brachten. Auch ein Militärfahrrad wird gezeigt, natürlich die Hochräder aus den Anfängen sowie ein Bonanzarad aus den 70ern.

Gerade frisch verpackt eingetroffen ist ein Fahrrad aus dem österreichischen Linz. „My Esel“ steht auf dem merkwürdig anmutenden Gefährt, das teils aus Metall, aber zu einem großen Teil auch aus Holz ist und prima in die Stadt der Esel passt. Der Museumsmitarbeiter macht gerade eine Testfahrt und findet: „Gazelle ist besser.“ Georg Hollen aus Straelen, der sich in den 1870er Jahren als erster Radfahrer am Niederrhein bezeichnete, wäre mit der Metall-Holzkombination sicher glücklich gewesen. Genauso wie Carl Todt aus Duisburg, der 1908 die Strecke von Basel nach Cleve in 25 Stunden und 52 Minuten zurücklegte. Immerhin handelt es sich um 630 Kilometer. Das Empfangskomitee in Kleve stand, als der Mann eintraf, noch nicht parat, weil es mit ihm so schnell nicht gerechnet hatte. Gemessen an einem Vorgängerrennen auf dieser Route kam Todt drei Stunden früher als erwartet an…

>>>FAKTEN UND ZAHLEN

Die Schau über 200 Jahre Fahrradgeschichte am Niederrhein ist bis Sonntag, 16. September, dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr zu sehen. Erwachsene zahlen 4,50 Euro Eintritt, Jugendliche bis 18 Jahre haben freien Zugang.

Führungen kosten werktags 45 Euro, samstags, sonntags und an Feiertagen 50 Euro. Schulklassen sind mit 35 Euro dabei. Sie können bei Kulturinfo Rheinland unter 02234/9921555 oder per Mail an info@kulturinfo-rheinland.de gebucht werden

Quelle: 200 Jahre Radfahrgeschichte(n) vom Niederrhein in Wesel

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