Bericht: Radtour – Ännekens’s Tenne Schermbeck

Ännekens's Tenne Foto: ADFC Dinslaken-Voerde

Es gab keine Ehrenrunde um die den Rathausvorplatz zierende Schrottsäule, vielmehr zog der mit der Trossführung betraute TL die  ihm Folgenden – waren es sechzehn? -. stracks durch die Kronprinzenstraße.  Dort nahm NN1, zu Hause geblieben,  in des Hauses Pforte stehend huldvoll die Parade der Strampelnden ab. Von da aus in ging es auf von uns ADFC-Menschen überaus oft befahrenen und damit sehr vertrauten Wegen zur Blauen Bude, „einem Stück Ruhrgebietskultur“, wie es heißt. (Hier soll, das sei eben angemerkt, am 23.Mai unser ADFC einen Auftritt haben.)

Wenig später gebot der Fatrofüh Halt und stellte  demokratisch gesonnen die nun etwas verwundert Herumstehenden vor eine Alternative. Das bedeutet bekanntlich zwei Möglichkeiten. „Wer will,“ so sprach er, „möge mir folgen. Der Weg wird etwas beschwerlich sein. Wer nicht, mag an der lauten Straße weiterfahren. Wir werden uns am Witten Hus treffen.“

Der vom Fatrofüh favorisierte Weg ist mir seit Knabenalter oder von Kindesbeinen an bekannt. Er führt durch die Siedlung „vor den Toren Lohbergs“, könnte man sagen, mit den gepflegten Vorgärtchen, in die zu kacken Hunden untersagt ist. Sie, die dem Fatrofüh Folgenden, werden bergauf mit ECO-Unterstützung fahren, vermutete ich, den Bergschlagweg queren und dann wieder schwungvoll bergab flitzen, vorbei an dem Mühlteich und der Wassermühle, die keine mehr ist. Dann wird man mit kräftiger Unterstützung leicht und beschwingt wieder den Berg hinauf radeln. Ja, so stellte ich mir das vor. Es ist wohl zu erwähnen, dass einige unterstützungsfrei mitfuhren. Ich war also nicht dabei, zog es vielmehr vor, mit zwei anderen den breiten, geraden Weg zu nehmen, der lediglich eine Steigung hat, die mir schon im Knabenalter Beschwernis bereitete, verfügte damals mein Rad nicht einmal über eine Simplex-Dreigangschaltung.

Der Nebel, der laut Wetterbericht den ganzen Tag die Sonne verdecken sollte, hing in Schwaden über Feld und Siedlung. So schien das rotierende Windrad auf der Halde im Himmel zu schweben. Des Waldes Winterstille konnten wir  an der Straße mit lärmenden Verkehr Radelnden natürlich nicht erleben. Das blieb den „Mühlenbach-Fahrern“ vorbehalten, sofern sie nicht pausenlos quasselten.

Am Witten Hus erwartete uns schon eine weitere Gruppe mit gelben Westen oder Jacken angetan. Als dann auch  die anderen eingetroffen waren, handelte es sich nunmehr unbestreitbar um einen stattlichen Tross (NN-Haufen) oder nach §27 StVO  einen „Verband“. Dafür, so heißt es, reichen bereits 16 Personen. Folglich dürfte ich nicht „Fatrofüh“ , sondern  müsste „Favefüh“ schreiben. Dies aber am Rande.

Wie schon einmal gesagt, es ist wie beim Stricken: Die Wolle bekannt, das Ergebnis nicht. So hier: Wege bekannt, der Track nicht, jedenfalls so nicht. Der Fatrofüh hatte sogar ein paar neue „Fäden“ im „Muster“. Anders gesagt: Die Wegführung bot einige unerwartete Momente: Wege, die  manche in dieser Anordnung noch nicht gefahren waren.

In Hünxe gab es einen Stopp am Markt, wo frau wie man Gelegenheit hatten, mitgenommenes Butterbrot, Banane, Breichen oder Müsliriegel zu verzehren. NN2 reichte mit Alkohol leicht angereicherte Pralinen herum.

Die Weiterfahrt gestaltete sich weniger wegen der Drängelgitter schwierig, die zu umfahren oder  zu umschieben waren, sondern weil der auf Vollzähligkeit bedachte Fatrofüh nach mehrfachen Durchzählen feststellte, dass zwei Menschen weniger zugegen waren, als auf der Teilnehmerliste verzeichnet. Und im weiten Gelände ließ sich keine weitere Gelbweste sehen. Zunächst breitete sich Ratlosigkeit aus, bis sich herausstellte, dass zwei Personen, wiewohl nur einmal vorhanden, zweimal eingetragen waren. Jetzt konnte die Fahrt fortgesetzt werden, und das war gut so, denn die Kälte begann durch die Schuhsohlen nach oben zu kriechen.

Rangierender LKW an der Deponie Foto: ADFC Dinslaken-Voerde

Rangierender LKW an der Deponie Foto: ADFC Dinslaken-Voerde

Wieder radelten wir durch Wald und Feld auf sehr „verkehrsarmen“ Wegen. Den Wolf zwischen den blattlosen Bäumen zu entdecken, blieb uns jedoch verwehrt. Nicht einmal „scheue Waldtiere“ sahen wir, die unter Kreuzworträtsel-Lösern auch als „Rehe“ bekannt sind. Bei dem üblichen Halt an der Müllkippe von Gahlen hatten wir Gelegenheit, die Fahrkünste eines LKW-Fahrers zu bestaunen, der unter großer Anteilnahme sein Mega-Fahrzeug um einen abgestellten PKW zu lenken verstand.

Das nächste Etappenziel war Schermbeck, woselbst in der Ortsmitte Einkehr vorgesehen war. Zuvor überquerten wir den Kanal, machten dieses Mal aus nahe liegenden Gründen an dem Wassertretbecken keine Pause, sondern waren eher darauf bedacht, die wärmenden Räumlichkeiten von Änneken’s Tenne zu erreichen. Dort machte sich eine flinke Bedienung um unser leibliches Wohlbefinden verdient. Und es blinkerte mal eben die Sonne durch die Fenster. Aber nur kurz.

Als wir die Fahrt fortsetzten, hatten Nebel und Wolken die Sonne erneut verdeckt. Wieder trennten sich in Drevenack mit Heimatnähe einige vom Tross, um auf kürzestem Weg den „häuslichen Herd“ zu erreichen. Nach 61,7 km war ich wieder in Sichtweite der eingangs erwähnten Säule.

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