Bericht: Radtour – Café Fischer in Rees Millingen

Landcafe Fischer Foto: Peter Diederichs, ADFC

„Auf bekannten Wegen ging es am Donnerstag, 13.9.2018 nach Millingen zum Café Fischer“, Ende der Aussage, und jede wie jeder wüsste Bescheid. Würde sich Berichterstattung in der Weise auf das Notwendigste beschränken, gäbe es keine Bücher, für Zeitungen genügte ein Blatt.

Ich überlege indes was „bekannte Wege“ sind. Sind es Wege, wie früher der Schulweg, den man tausend Mal gegangen ist, Wege, bei denen man mit jedem Kilometerstein fast ein persönliches Verhältnis hat, Drängelgitter, an denen unzählige Radler-Flüche hängen, Wege mit Bäumen, an denen man schon mehrfach ‚telefoniert‘ hat? So vertraut wird der Weg nach Norden keinem sein, auch den Vielfach-Fahrern nicht. Ja, sie wissen, da geht es nach B, dort nach C und hinter D kommt eines Straßenquerung, bei der Vorsicht geboten ist. Das sind dann eben die als „bekannt“ bezeichneten Wege. Natürlich wird der eine oder die andere da oder dort sich einer längst vergangenen Begebenheit erinnern, von der vielleicht eben mal dem Nebenher-Fahrer erzählt wird.

Gleichwohl gab es Überraschungen. Manche, der mit Flüchen behängten Sperren, waren durch neue ersetzt, oder der Tourenleiter (TL), noch kein Routinier, ließ den Tross an Stellen pausieren, an denen bislang vorbei geradelt wurde.

So erreichten wir schließlich Millingen, ein Ortsteil von Rees, der sich über 7,8 qkm erstreckt, schenkt man Wikipedia Glauben. Beim Blick ins Internet erfährt der Suchende weiter, dass es auch ein Millingen (NL) am Rhein gibt, nach dem man hier natürlich vergeblich Ausschau hält. Um zu jenem Millingen zu kommen, hätten wir noch 40 km weiter radeln müssen, wo wir doch schon ziemlich genau 40 km hinter uns hatten.

Im Café Fischer hatte der TL uns vorsorglich angemeldet, so dass man unserem Ankommen gelassen

Letzte Pause Foto: Peter Diederichs

Letzte Pause Foto: Peter Diederichs

entgegen sah. Draußen oder drinnen? Das war zunächst die Frage, da sich das Wetter gebessert hatte und die Wolken sich  verzogen. Draußen, an dem kleinen Teich, in dem sich vom Fischreiher übersehene Goldfischchen tummelten, wäre ganz nett gewesen, war jedoch nicht vorgesehen. Drinnen war gedeckt. Drinnen gab es  Kuchen zur Auswahl und zahllose Schälchen und Schüsselchen, in denen wohl sonst Köstlichkeiten für Gesellschaften, Brunch oder wofür auch immer serviert werden. Sie waren ohne Inhalt. Angesicht der Leere kam mir das Lied von Bolle, der einst zu Pfingsten reiste,  in den Sinn, wo es heißt, „war alles weg gefressen von fremden Leuten hier“. Nein, mit knurrendem Magen brauchte niemand von hinnen zu ziehen. Abgesehen von den verschiedenen Torten gab es auch Zigeuner-(?)  wie Jägerschnitzel und anderes auf der Speisekarte. Als dann aber zwei Mitradler von dem Schnitzelangebot Gebrauch machten, war das gleichsam die Ankündigung einer „Verzögerung im Betriebsablauf“, und dass die vorgesehene Sechzig-Minuten-Pause nicht ausreichen würde für Zubereitung, Verzehr und Bezahlung. In der Tat, es kam zu einer Verzögerung von drei Minuten.

Prosit der Gesundheit Foto: Peter Diederichs, ADFC

Prosit der Gesundheit Foto: Peter Diederichs, ADFC

Nun ging es wieder nach Süden auf verkehrsarmen Wegen, auf denen vereinzelt schon einmal ein PKW angeschossen kam oder Fahrzeuglenker wie -lenkerinnen es  angesichts der Schar von Gelblingen vorzogen, anzuhalten und den Tross vorbei ziehen zu lassen. Beim nächsten Stopp tat einer der Radler kund, dass er Geburtstag habe und er wolle deswegen zur allgemeinen Gesundung und Stimmungsaufhellung  alle Mitradler und -radlerinnen medizinisch versorgen. Die dafür benötigten Mittel hatte er, vermute ich, mit Sicherheit rezeptfrei erworben.

Je näher wir im weiteren Tourenverlauf der Heimat kamen, verschwanden immer mehr Mitradler ihren nahen Wohnort zustrebend, so dass es am Ende nur noch eine kleine Gruppe gewesen sein mochte, die beim Startpunkt ankamen, wenn überhaupt. Der Chronist war ebenfalls schon vorher abgebogen.

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