Bericht: Radtour – Fallwind am Niederrhein 2


Auch wenn der Tourenleiter (TL) hoffte, das sich heute keiner der Radelnden zu der geplanten Tour aufraffen konnte waren letztlich 12 Unerschrockene dabei. Am Treffpunkt, dem Rathaus in Voerde herrschten gemessene -4°C bei einem frischen Ostwind. Schon kurz nach dem Start plante der TL die Tour im Kopf um, denn die Emscher entlang direkt gegen den Ostwind, der konstant mit ca. 30 km/h blies und in Böen bis über 50 km/h auffrischte, das musste nicht sein. So führte die Tour vorwiegend quer zum Wind, oft durch Häuser, Bäume und Büsche geschützt. Allerdings kam plötzlich und absolut unerwartet am Kühlturm in Walsum der Ostwind in voller Stärke um die Ecke und traf uns Radelnde direkt von vorne. Ein Radler wurde so stark gebremst, das sein Vortrieb 0 km/h betrug und er mit dem Rad umfiel (weder er noch das Rad haben Schaden genommen), das nennt man wohl Fallwind.

Immer weiter voran, mit Seitenwind den Rhein entlang bis zur A42.  Die Brücke schützte vor dem eisigen Wind und die Sonne erwärmte die Radelnden bei ihrer schon bis hier verdienten Pause.

Wer sich hier eines Teils seiner aus vielen, vielen Schichten bestehenden Kleidung entledigte tat erst einmal gut daran, denn nun ging es vorwiegend mit dem Wind im Rücken über die A42 und weiter zum Lohheidesee um sich das Spiel der Natur mit Wind, Wasser und Eis anzusehen.

Aber nur kurz ein paar Fotos gemacht bevor die Hände erfrieren und die Füße anfrieren (wir sind schließlich keine Enten) und schnell weiter zum Heesenhof geradelt. Dort war es warm, dort war es schön, dort war alles lecker.

Der TL bot an die Tour zu verkürzen und die Fähre in Orsoy zu nehmen, statt den Weg entlang des Rheindeiches und anschließend über die Weseler Rheinbrücke zu nehmen. Im Schatten des Krauthauses wurde abgestimmt, „so schlimm ist es nicht mehr“, wir fahren über Wesel. Gesagt, getan … kaum 50 Meter weiter bot uns der Wind einen kleinen Vorgeschmack was uns erwarten wird. Niemand (wer ist Niemand?) beklagte sich, da auf dem Weg über Rheinberg bis nach Ossenberg der Wind von hinten, seitlich von hinten oder schlimmstens von der Seite kam. Nach Ossenberg begann der freie Teil der Strecke, kein Haus, kein Baum, kein Strauch … einfach nichts mehr außer Weidezäunen, die den Wind nicht abhalten.

Es wurde immer schwieriger sich mit den Rädern gegen den Wind zu lehnen und dabei vorwärts zu kommen – die Geschwindigkeit fiel rapide Kilometer für Kilometer. Von nun an führte der Weg nicht mehr Richtung Norden sondern bog nach Nordost ab, es wurde immer schwieriger gegen den Wind zu bestehen. Die Schutzwand an der Wacht am Rhein bot kurzfristig Schutz, sobald die Schutzwand endete wurden die Radelnden vom Wind gnadenlos auf die andere Seite des Radweges geblasen. Das Rad zu schieben war eine gute Alternative, denn es ging sich leichter als auf dem Rad fahrend.

An einer windgeschützten Stelle vor der Rheinbrücke wurde eine letzte Pause eingelegt um Kraft zu sammeln sich dem auf der Brücke direkt von vorne wehenden Ostwind noch einmal entgegen zu werfen. Wir schafften es die Rheinbrücke pedalierend zu überqueren um dann mit einer kleinen, netten Abkürzung die letzten 10 Kilometer in Angriff zu nehmen. Es war nicht die Kälte die zu schaffen machte, es war der eisige und sehr heftige Ostwind der uns die Kraft raubte – aber schön war es doch.

Gefahrene Kilometer 62, gefühlte Kilometer 120 – am kommenden Donnerstag ist der Wind nur halb so stark angesagt, die Temperatur 10 Grad höher, lassen wir uns überraschen


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2 Gedanken zu “Bericht: Radtour – Fallwind am Niederrhein

  • Joswig, Harald

    Alle Achtung, was ein Mensch im Stande ist, zu leisten und nach dem Sprichwort: „Nur die Harten, kommen in den Garten….“.
    Und ich dachte schon unser TL müsste die Tour alleine antreten. Wenn man den ersehnten Kommentar so ließt, fröstelt man noch, selbst in der gut beheizten Stube. Vielleicht bin ich auch ein „Weichei“ oder die Vernunft sagt mir, nur keine Grippe (Erkältung) sich einhamstern, denn dann liegen gleich zwei flach…. Ab 3 Grad bin ich wieder dabei!

    Schöne Radlergrüsse
    Harald

  • Rudi

    Na das kann ja jeder halten wie er will, aber bei diesen Wetterbedingungen geht mir eine solche „sportliche Betätigung“ etwas zu weit ( für mich persönlich). Trotz allem Anerkennung für die Teilnehmer und den Tourführer. Wir sehen uns bei milderen Temperaturen.