Bericht: Radtour – Gerwershof Brünen – Homo velociped

Gerwershof Hamminkeln-Brünen Foto: ADFC Dinslaken Voerde

Bericht in aller Kürze

Wir starteten wie immer am Rathaus in Voerde. Tourenleiter R.B. teilte allen mit, wo es hingehen sollte. Am Lippeschlößchen vergrößerte sich die Gruppe auf 28 Personen. Nach einem kurzen Halt an dem Schloß Ringenberg ging es weiter zum Café Gerwershof, von da aus über Drevenack nach Voerde. Ende!

Das wäre ein Tourenbericht für Menschen verfasst, die keine Zeit haben, schon gar nicht zum Lesen. Sie mögen diese Mail jetzt in den virtuellen Papierkorb schieben oder schlicht und einfach löschen.

Ich will nun im Folgenden versuchen, die Tour „aufzuarbeiten“, wie man ein Tür „aufarbeitet“ (s.Wikipedia), Als ADFC-Touren-Guide und Biker nenne ich das im neudeutschen ADFC-Jargon  „refresh“. Also ich will sie refreshen, die Tour:

Refreshter Bericht

Trotz unsicherer Wetterlage hatte sich am Rathaus der Stadt Voerde eine recht große Gruppe gelb

Mach mal Pause ... Foto: Harald Joswig, ADFC

Mach mal Pause … Foto: Harald Joswig, ADFC

Bewesteter zusammengefunden. Ungeachtet aller Bemühungen und Mahnungen begnügten sich ein paar mit einem nur zu Gelb tendierendem Äußeren. Der Tourenleiter ließ keinen im Ungewissen, wohin es gehen sollte: nach oder zum1) Café Gerwershof. Nach einigen Erläuterungen zu Strecke ließ er aufsitzen und losfahren.  Alsbald nahmen alle es wahr: Der Parkplatz am Lippeschlößchen war nahezu gelb von den dort Wartenden, so dass die Gruppe mit nun  achtundzwanzig Personen die für einen Verband vorgeschriebene Mindestgröße bei weitem überschritt.

Nachdem das Begrüßungszeremoniell und die Registrierung abgeschlossen waren, wurde der Tourenleiter nun wirklich zum Fahrrd-Tross-Führer, der die Masse Zweiradfahrer zunächst durch den Randbezirk von Wesel zum Auesee geleitete, dem großen Wasserloch. Einst rauschten dort Wälder oder Rindviecher knabberten am Gras, der Rhein plätscherte daher. Heute ist’s ein Loch. Da wurde Kies gemacht und Kies gewonnen. Nur  gut, dass die Neandertaler , von denen gleich dir Rede sein wird, mit ihrer Umgebung nicht so  herumgeaast haben

Schutzblech kaputt Foto: Harald Joswig, ADFC

Schutzblech kaputt Foto: Harald Joswig, ADFC

Dass durch ein Stöckchen ein Schutzblech zu Bruch ging und das dem Vorfall folgenden großen Stopp-Geschrei für eine kurze Unterbrechung sorgten, sei am Rande erwähnt. Der Schaden konnte mit  Bordmitteln beseitigt werden. Auf einem, allen von früheren Fahrten bekannten Platz ließ der Fatrofüh wenig später anhalten.

Möglicherweise war kaum jemandem bewusst, dass wir an Rande einer Dünenlandschaft standen. Ja, Dünen – nix Müllhaufen oder Pellets-Halde, mit Baumbewuchs getarnt! Vor 12.000 Jahren sei diese Landschaft so geformt worden. Nach der letzten Eiszeit seien Massen von Lehm, Sand und Geröll liegen geblieben, und ständiger Wind habe die Dünen zusammengeweht. Sechs Meter sei die höchste Erhebung, so heißt es. War der Neandertaler vielleicht auch einmal im Rahmen eines Ausflugs hier gewesen, überlegte ich. Ihn gab es bekanntlich schon ein paar Jahre früher, nämlich vor 130.000 Jahren. Wie heißt es da im 90. Psalm? „Tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist, wie eine Nachtwache …“. Ergänzend erwähnt sei, dass man in Marokko, also nicht in Hamminkeln, Reste eines Menschen fand, eines „Homo sapiens“ (sapiens: einsichtsvoll, weise, verständig, klug), der vor 315.000 Jahren zwar nicht Fahrrad gefahren, aber trotzdem dort leben konnte und gelebt hat.

Wir „Homines sapientes“ , zudem noch  ADFC-Homines velocipedes hielten nun an diesem nacheiszeitlichem Ort bei vielleicht 15 Grad Celsius und leicht bedecktem Himmel, so dass einige Gelegenheit hatten zu „telefonieren“.

Auf verschlungenen Wegen, Güteklasse 0 bis 2 führte uns der Fatrofüh bei gemächlichem Tempo weiter durch Hamminkeln nach Ringenberg. Wer kennt von uns ADFC-Velocipeden nicht das Schloss! Aber von einer erstmaligen Mitfahrerin befragt, um was für ein Bauwerk es sich handele, musste der Schreiber Unwissen eingestehen. Peinlich!

Dabei sollte er, schon häufiger auf des Schlosses Hofe gewesen, es herunterschnurren können: „Hier wurde an einem für damalige Zeit strategisch günstigem Ort im Grenzgebiet der Grafschaft Kleve, des Erzstiftes Köln und des Fürstbistums Münster eine Burg errichtet, die von niederländischen Truppen zerstört und im 17. Jahrhundert wieder aufgebaut wurde.“ Konnte er nicht, war eben nichts mit „sapiens“!

Nach dem „Boxenstopp“ schlängelte sich der Tross auf Wirtschaftswegen zu dem bei Tourenbeginn

Es geht weiter Foto: Harald Joswig, ADFC

Es geht weiter Foto: Harald Joswig, ADFC

genannten Bauerncafé, in dem Hans-Bernd Gerwers alle mit Kaffee oder Tee und Kuchen an eigens für uns Homines Velocipedes gedeckten Tischen versorgte. Wäre der Neandertaler einst hier herumgeschlichen, hätte er vergeblich nach einem solchen Betrieb Ausschau gehalten, in dem er sich in seinem elenden quartärzeitlichen2) Dasein mit einer Schwarzwälder Torte hätte erquicken können. Das ist ja dort auch erst seit fünf Jahren möglich. Nur gut, dass wir nicht damals geradelt sind.

Ein Blick zum Himmel ließ die Befürchtung laut werden, man könne die heimatlichen Gefilde nicht mehr trocken erreichen, hatte doch der Wetterbericht früh morgens schon kund getan, dass Regen heraufziehe. Demzufolge fegten die ersten schon in Schermbeck davon, andere am Kanal, und so zerbröselte gegen Ende der Tour die Gruppe wieder einmal. Sogar der Fatrofüh verschwand, jedoch nicht ohne einen kundigen Vertreter, den Alten OTL für die Reststrecke beauftragt zu haben.

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1)Spiegel online: Kein sprachlicher Zweifelsfall entzweit die Deutschen so sehr wie die Frage, ob man nun „zu Aldi“ geht oder „nach Aldi“. Und jeder kennt den Witz mit dem Manta-Fahrer, der auf der Suche nach einem Supermarkt neben einem Türken bremst. „Ey, sag mal, wo geht’s hier nach Aldi?“, fragt er. „Zu Aldi“, verbessert der Türke. Der Manta-Fahrer guckt verdutzt: „Was denn, schon nach sechs?“

2) Das Quartär ist der jüngste Zeitabschnitt der Erdgeschichte (Wikipedia).

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