Bericht: Radtour – Keramikscheune Rees

Drostenhof Rees Haldern Foto: Harald Joswig, ADFC

Wolkig bis heiter aber windig

Geht es uns gut! Unsere Väter zogen in den Krieg, wir ziehen durch die niederrheinische Landschaft auf Fahrrädern mit allem Schnickschnack, sogar mit Motor. Vierundzwanzig waren es letztendlich, die der Fatrofüh schließlich hinter sich her zog. Nachdem am Rathaus Voerde widerrechtlich – es ist ja als Fußgängerzone ausgewiesen –  eine ganze Reihe Fahrlustiger angeradelt waren und sich registriert hatten, erfolgte der Start wie immer, abermals die Verkehrsregelung missachtend zur gewohnten Zeit. Vor dem ehemaligen Babcock Casino wäre es beinahe zu einem Crash gekommen, als die beiden Voranfahrenden einen ihre Bahn querenden Radler fast übersahen. Es passierte nichts, im Gegensatz zu einer jüngst vergangenen Tour, bei der einer der Radler auf sandigem Boden die Vorderradbremse zog.

Am Lippeschlößchen, das als Offizierskasino 1812 tatsächlich schlossähnliches Aussehen gehabt haben soll, warteten weitere gelb Bewestete. Was soll ich die Wege beschreiben. Man wie frau kennt sie. Doch mit zunehmender Entfernung nimmt die Vertrautheit ab. Es ist wohl den meisten bekannt, wo diese Straße, jener Weg hinführt. Das ist denn auch alles. Im Zuge der permanenten Landvernichtung durch Auskiesung verschwindet aber schon einmal der eine oder andere Weg. Bei der Demeter-Apfeldomäne Clostermann war der Laden leider geschlossen, die Toiletten dagegen nicht. Manche der Mitfahrenden waren mit dem Apfelbetrieb sehr vertraut wie auch mit der Chefin, was Außenstehende an der Art und Weise der Begrüßung unschwer erkennen konnten.

Aufwärts, den Deich hinauf Foto: Harald Joswig, ADFC

Aufwärts, den Deich hinauf Foto: Harald Joswig, ADFC

Der Wind, mit dem die Gruppe es auf dem freien Feld nun zu tun bekam, erzeugte Energie, die man mit dem Attribut „erneuerbar“ verbindet, behinderte zugleich die, die nicht von einem Akku gespeisten Elektromotörchen angeschoben wurden, mitunter erheblich. Waren es umlaufende Winde? Nein, die in früheren Zeiten vom OTL entworfene, vom aktuellen Fatrofüh jüngst überarbeitete Wegführung wechselte die Richtung wie ein durch Wiesen mäanderndes Bächlein.

Auf des Fatrofühs Programm stand auch der Besuch der Keramikscheune bei Rees. Dort konnte jeder käuflich erwerben, was sie – vielleicht auch er –  über kurz oder lang unliebsamen Personen schenken, wegschmeißen oder vertrödeln wird. Die Auswahl ist beeindruckend.

Keramikscheune Rees Foto: Harald Joswig, ADFC

Keramikscheune Rees Foto: Harald Joswig, ADFC

Der Tachometer zeigte schon fünfundfünfzig gefahrene Kilometer an, bei manchen sogar mehr, bei anderen weniger. Trotz einiger Pausen zur Entwässerung, zum „PausenbrotVerzehr“ und für Lockerungsübungen, wünschten sich viele, dass nun endlich das Einkehr-Lokal kommt. Die Dauerradler wussten selbstverständlich, dass es jetzt nur noch wenige Meter sein würden. Und schon waren wir da, auf den Drostenhof, wo von Vieh nichts zu sehen war außer dem an der Einfahrt lagerndem Dammwild.

Nach einer einstündigen Pause, der Einkehr, mit Cappuccino, Kaffee und Kuchen ging es zurück, Richtung Heimat, durch Wald und unendlich ausgedehnte Maisfelder, die willkommenen Sichtschutz denen boten, die es drängte, ein Pfützchen zu machen. Für Landluft sorgende Gülletransporter und brummende Mais-Erntemaschinen legten davon Zeugnis ab, dass sich der Sommer dem Ende zuneigt.

Einkehr Drostenhof Foto: Harald Joswig, ADFC

Einkehr Drostenhof Foto: Harald Joswig, ADFC

Einige verließen schon in Wesel die Schar, andere vor und nach Friedrichsfeld. Immerhin radelte eine kleine Gruppe – wieder! – verkehrswidrig zum Ausgangspunkt der 86 km langen Tour  vor das Rathaus in Voerde zur Schrottsäule.

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