Bericht: Radtour – Kloster Kamp und Baerlaghof

Baerlagshof Foto: Wolfgang Beier, ADFC

Wat dem eenen sin Uhl ist dem Annern sin Nachtigall

Auf der Fähre in Walsum Foto: Wolfgang Beier, ADFC

Auf der Fähre in Walsum Foto: Wolfgang Beier, ADFC

Das bedeutet, was dem einen Unglück oder Pech bringt, ist für den anderen ein Glück. Als wir uns am vergangenem Donnerstag, 15. November 2018, wie all donnerstäglich vergnüglich aufs Rad schwangen, hatten wir die „Nachtigall“, gemeint ist das Wetter, einen zwar kühlen, aber doch sonnigen Herbsttag. Und wer war der „eene“, der „Uhl“ hatte, also Pech? Nun, nicht gleich Pech oder Unglück, wie man es der Eule als Botin zuschreibt, aber der niedrige Pegel machte offenbar der Fähre zu schaffen, mit der wir den Rhein überquerten. An einer etwas ungewöhnlichen Stelle, wo man bei normalen Wasserstand den Boden unter den Füßen verlieren würde, erklommen  Autos und Radfahrer die Uferböschung.

Als sich in Orsoy noch NN zu der Gruppe gesellte, waren wir wohl an die zweiundzwanzig radelnden Individuen, die dem Fahrradtrossführer gehorsam folgten. Er gab  ein Tempo, das man als  „gemütlich“ bezeichnen darf, immerhin doch so schnell, dass niemand vom Fahrrad fallen konnte, um eine Tn zu zitieren.

Wenn Menschen mit Kiesbaggern viel Kies machen, sprechen sie gern euphemistisch von „Landschaftsumbau“. Was dabei herauskommt ist eine Landschaft mit großen Löchern, die man selten als gelungene Kreation ansehen kann. So auch hier bei Kamp Lintfort. Der verunglückte Umbau wird noch durch Industrieansiedlungen wie das Abfallentsorgungszentrums Asdonkshof, durch die Hallen der „fröhlichen Bäckerei Büsch“ und anderer Betriebe aufgehübscht, wie man es im Osten von bunt angepinselte Plattenbauten sagt. Das gehört eben auch zum Niederrhein, wo des Tourenleiters Weg uns an dem Donnerstag entlang führte und so auch etwas von der anderen Seite zeigte, wo eben keine Kopfweiden am Wegesrand stehen oder sibirische Gänse rasten. Dann aber wurde es doch niederrheinisch, wenn auch nicht gerade idyllisch. Die abgeernteten und gepflügten Äcker, die manchmal gar nicht in die Landschaft passenden Häuser und die stark befahrenen Bundesstraßen stehen der Rede von Idylle entgegen, wenn man damit  Begriffe wie „beschaulich“, „malerisch“ oder gar „paradiesisch“ verbindet.

Jemand, der das bis hierhin gelesen hat, könnte meinen, es sei eine sehr betrübliche und freudlose

Ein Schlückchen Medizin Foto: Peter Diederichs, ADFC

Ein Schlückchen Medizin Foto: Peter Diederichs, ADFC

Tour gewesen. War’s nicht. Einer der Mitradelnden hatte Aufheiterungsmedizin dabei. Ein aus Birnen hergestelltes, nicht verschreibungspflichtiges aber wirkungsvolles Wässerchen wurde gereicht, ein Tröpfchen nur, das als Wasser einen Wellensittich allerdings hätte verdursten lassen. Darüber hinaus radelten wir durch herbstliche Wälder, deren Laub in der Sonne feuerrot leuchtete. Leichte Dunstschleier zwischen den hohen Buchen boten den dahin Fahrenden schließlich doch noch ein „idyllisches“ Bild. Und solches machte die kurz zuvor wahrgenommene Verschandelung der Landschaft vergessen.

Eine ausgedehnte Pause gab am Kloster Kamp. Dort teilte sich die Schar.  Einige, die ordentlich zu dinieren gedachten, fuhren zum Baerlagshof, der sogar auf der ADFC-Seite von NRW unter „Bauernhofcafés am Niederrhein“ Erwähnung findet. Die Anderen blieben am

Kloster und ließen sich das hier Angeboten in etwas spartanischer Umgebung schmecken. Als nun einer assoziativ die Redewendung „Segen von Kloster Kamp“ erwähnte, begann ein großes Rätseln zur Bedeutung und Herkunft. Die Antwort: Keiner kann  dazu etwas Fundiertes sagen, sogar Google versagt an der Stelle!

War es bisher dem Tourenleiter gelungen, strubbelige Strecken weithin zu meiden, führten nun zwei der Gegend Kundige die „Klösterlichen“ in flottem Tempo durch Wald, auf  eben solchen, von Laub bedeckten Wegen dem Bauernhofcafé, in dem die anderen noch beim Mahle saßen.

Die Rheinbrücke fast in Sichtweite gab es noch einmal die der Stimmung förderliche Medizin, und alsbald begann die Gruppe zu zerbröseln. Einige hatten schon an dem Café den Heimweg angetreten, andere strebten Wesel zu, die übrig Gebliebenen führte der Tourenleiter bei sinkender Sonne durch die Rheinaue, wo man wieder Biber zu sehen meinte.

Doch alle Biber flogen hoch, und weil das nicht geht, waren es wohl ganz ordinäre Enten.

Nach 70 km etwa waren die in Voerde Beheimateten wohl zu Hause.

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