Bericht: Radtour – #Masochisten oder #Weicheier?

Unter der A42 Foto: Peter Diederichs, ADFC

Gerade zuhause angekommen rauscht draußen erneut kräftiger Regen herunter, wie man es in den vergangenen Tagen erlebt hatte, so dass der Rhein inzwischen wieder zu einem Strom geworden ist. Obwohl mit viel Nässe zu rechnen, obwohl Schneetreiben für den späten Nachmittag angesagt, zudem Sonnenschein nicht angekündigt war, hatten sich doch viele mit gelber Weste vor dem Rathaus in Voerde eingefunden. Sie wollten nicht, noch nicht, wegen der Untätigkeit der Verwaltung in Sachen Fahrradverkehr protestieren, sondern ganz schlicht und einfach zu der all-donnerstäglichen Radtour starten. So geschah es denn auch.

Indes am Stapp schon zeigte sich, dass man zweckmäßigerweise die mitgeführte Regenkleidung überziehen sollte, sofern das nicht bereits vor dem Start geschehen war. Nun regnete es und schien nicht enden oder weniger werden zu wollen. Es war, wie gemäß der Jahreszeit nicht anders zu erwarten, kein lauwarmer Dauerguss, sondern ein mit der Zeit alles durchnässender Regen, dem über längre Zeit auch Außentür-Kleidung, die die Werbung  als Nässe abweisend rühmte,  nicht standhalten konnte. Verstärkt wurde diese Unannehmlichkeit darüber hinaus durch Wind, der dem Wetterradar entsprechend mäßig sein sollte, aber dann hin und wieder mitunter Windgeschwindigkeiten von 45 km/h erreichen sollte und vielleicht erreichte.

Am Kraftwerk Walsum harrten unser noch drei weitere mit gelber Weste angetane Menschen, von denen zwei sogleich mitteilten, dass sie des Wetters wegen uns anzuschließen nicht gewillt waren, sondern flugs nachhause zurück radeln wollten. „Weicheier!“ murmelte jemand. was mich nachdenklich stimmte.

Was sind „Weicheier“, was sind „Masochisten“? In diesem Zusammenhang beschränke ich mich auf die Duden-Definition für „Masochismus“, d.h. „selbstquälerisch“, und gehe nicht auf den erotischen Masochismus ein, wie zu dem Begriff in MEYERS GROßEM TASCHENLEXIKON ausgeführt wird. Also haben wir ADFC-Donnerstags-Radfahrer selbstquälerische Neigungen, dass wir uns bei derartigem Wetter auf einen 60-km-Radausflug einlassen? Der Volksmund würde fragen: „Seid ihr bekloppt?“ Und sollten die, die sich von solchen Unternehmen zurückziehen „Weicheier“ sein? Was wiederum sind „Weicheier“? Besagtes Lexikon von MEYER weiß wohl, was „Weichkäfer“, „-fäule“ und „-holz“, aber nicht was ein „Weichei“ ist. Wieder ein Blick in den Duden sagt es uns: Weichling, Schwächling! Die „Weicheier“ geraten somit nicht in die Nähe der „Bekloppten“, sondern könnten, zumal in dieser Regensituation, vielmehr als „weise“ gelten.

Unter der Autobahnbrücke, einem trockenem Platz, trafen alle die Entscheidung, es den Weicheier bzw. den Weisen nachzutun und den Ausflug insofern abzubrechen, als das anvisierte Ziel nicht weiter angefahren werden sollte.

Wir überquerten den Rhein auf der A-42-Brücke und strebten Orsoy zu. Beim Weg durch die Felder schreckten die Wildgänse auf, die sich in Massen an junger Saat gütlich taten. Einer der Unsrigen schickte ihnen noch einen janowschen Urschrei nach. In Orsoy trennte sich die Gruppe. Die einen strebten umgehend, ob der inneren und äußeren Nässe weiter ihrer warmen Häuslichkeit zu, die anderen kehrten noch in der Bäckerei an der Hauptstraße ein.

Auf der anderen Rheinseite angekommen, blies der Wind uns wieder entgegen und nach kurzer Unterbrechung begann es erneut zu regnen. Ich fuhr vor und wartete dann windgeschützt auf die, denen ich vorausgefahren war. Sie kamen nicht.  Hatten wohl einen anderen Weg genommen. Schade. Wollte ihnen „auf Widersehen“ sagen.

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