Bericht – Radtour: Ostermann


„Henry,“ sprach die alte Dame, „komm her, da kommen Radfahrer“, und sie zerrte ihre kleine, struppige Teppichratte an der Leine in Sicherheit. Recht hatte sie. Da kamen sie, dreiundzwanzig Gelblinge und ein Schutzkleidung resistenter Schwarzling.

Sie waren auf dem Weg nach Voerde zurück, am Urbana-Stift im Stadtgarten von Bottrop vorbei Richtung Grafenmühle unterwegs. Dort hatten sie am Morgen die Räder bestiegen, nachdem sie sich über die Wetterlage verständigt hatten – „heute morgen Raureif „, „heute Mittag soll es wärmer werden“, „morgen Regen“ …. -, waren unter der Führung des RTLvD*  NN aufgebrochen und durch Dinslaken geradelt. Sie tangierten Wehofen. Auf der Bahntrasse gab es einen Stopp, bei dem der 1.Vorsitzende des frisch gegründeten ADFC-Dinslaken/Voerde e.V. aus Anlaß eben der Gründung allen an einem Ramazotti per Kunststoffbecherchen nippen ließ. Der RTL geleitete den Tross dann durch das Centro auf einem Weg, der nicht allen vertraut war, zum Haus Ripshorst im Emscherpark.

Dort war man etwas verdrossen darüber, dass die Rotte nicht angemeldet war und man daher nicht genügend Kaffee vorrätig hatte. Das schmälerte die Stimmung keineswegs. Alle dachten wohl an den Konsumtempel Ostermann, hatten zwar keine Anhänger oder Packtaschen für umfangreichere Einkäufe mit, waren aber offenbar willens, sich auf das „Einkaufserlebnis“, das Ostermann verspricht, einzulassen. Nur konnte von Erlebnis keine Rede sein, man ließ sich in die Futteretage baggern und bekam dort flugs etwas zu essen, kein Fast Food, aber auch keine Diskussion, ob die Sauce links oder rechts neben die Kartoffeln zu löffeln ist; es ging „fast“ – soll zu Deutsch heißen „schnell“, so dass alle Punkt 15 Uhr wieder bei den Rädern versammelt waren. NN kam zwei Minuten später.

Man radelte an alten Herrschaften vorbei, die am Rande des Weges auf Bänken saßen und von denen manche „südländisches Aussehen“ hatten, doch ganz offensichtlich einige Jahre lang am Bruttosozialprodukt der BRD mitgearbeitet hatten. Alle genossen wie die Radelnden die wärmenden Strahlen der Frühlingssonne. Stand an der Boy, an der die Radler vorbei kamen, das Schild „Angeln verboten“? Wohl kaum. Das Alpincenter ließen sie links liegen, und irgendwann kam man an Henry vorbei.

Unter dem Strich: der OTL, dessen man Gutes wünschend gedachte, hatte ein interessante Strecke zusammengestellt, und der RTLvD (Reserve-Touren-Leiter vom Dienst) hatte keine Mühen gescheut, die Aktion über 75 km zur allseitigen Zufriedenheit durchzuführen. Solches ist überaus anerkennenswert.

 

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