Bericht: Radtour – Schöööööner Weihnachtmarkt

Am Weihnachtsmarkt angekommen Foto: ADFC Dinslaken-Voerde

„Brutus, bleib hier!“ forderte ein Hundehalter seinen überaus wohlgenährten vierbeinigen Begleiter auf. Dieser geriet trotz aller Leibesfülle „ganz aus dem Häuschen“, als wir vierundzwanzig – oder waren wir mehr – gelbwestigen Zweiradfahrer entgegen kamen. Ich erwog kurz, den Menschen nach des Namens Hintergrund zu fragen, ob er wüsste, das Brutus an den Iden* des Märzes 44 n.Chr. Cäsar, dem großen Feldherrn, mit 23 Dolchstichen den Garaus gemacht hat. Nein, ich hielt nicht an, dann hätte mir der Schlussfahrer vermutlich eine Rüge erteilt. Also beließ ich es bei meinen Nachsinnen, zumal doch der Halter schon Schwierigkeiten genug hatte, seine angriffslustige Töle im Zaum zu halten.

Uns hatte der Fatrofüh dagegen ganz gut nicht im Zaum, aber „im Griff“. Elektronisch unterstützt ging es zügig durch dicht besiedeltes Gebiet über Bahntrassen, Ampelquerungen und Autobahnbrücke zu der DiTib-Merkez-Moschee in Marxloh, die zu den größten Moscheen in Deutschland gehört. Sie versteht sich als Bildungs- und Begegnungsstätte. Als wir da nun stoppten, eine fünfzehnminütige Pause einlegten, lud  uns der Konzeption ja entsprechend einer der dort Weilenden zum Tee ein. Leider mussten wir die Einladung ausschlagen, da das in dem vorgegebenen Zeitrahmen nicht möglich war. Vielleicht ein andermal.

Durch das für uns aus der ehemaligen Bauernschaft und heutigen Stadt Voerde Kommenden triste Bruckhausen, mit seinen engen Straßen und herunter gekommenen Häusern, im Schatten der Thyssen-Krupp-Hütte, und Ruhrort erreichten wir schließlich einen von den Plätzen, die in der Regel mit dem Attribut (Beifügung) „schön“ (schöööön) bezeichnet werden, den Weihnachtsmarkt von Duisburg.

Ja, dort reihte sich eine Bude an die andere, so dass es doch schon schön einfach gewesen wäre, sich mit Pommes, Pilzen, Lachs, Schinken, Grünkohl, Würstchen und vielem mehr vollzustopfen, wenn man/frau gewollt hätte. Nicht nur den Hunger konnte man mehr als hinreichend stillen. Glüh-, Weiß- und Rotwein gab es, von den unzähligen Schnäpsen nicht zu reden bzw. zu schreiben. Dass hier und da auch noch Tierschutz und andere Vereine sich ohne sofortige Gegenleistung um finanzielle Zuwendungen bemühten, gehört mit zu dem Betrieb.

Tourenleiter bei der Ansage Foto: ADFC Dinslaken-Voerde

Tourenleiter bei der Ansage Foto: ADFC Dinslaken-Voerde

Das ist eben „Weihnachtsmarkt“. Vor ein paar Jahren hüpfte wenigstens  in einem der riesigen Konsumtempeln noch eine weiß bekleidete, mit goldenen Flügeln behaftete Engel-Schönheit herum. Heuer nicht. Was es mit der riesigen, senkrecht stehenden Leiter auf sich hatte, die für die auf den Weihnachtsmarkt Gierigen nicht zu übersehen war, fand ich nicht heraus. Bei einer solchen kommerziellen Veranstaltung ist kaum anzunehmen, dass es sich um eine Erinnerung an die Jakobsgeschichte handelte,  wo Engel auf einer Leiter „auf und nieder“ stiegen (1.Mose 28). „Das ist eine Fressmeile“, hörte ich einen Deutschen akzentfrei zu einer Frau afrikanischer Abstammung sagen, und überlegte mir, ob „Fressmeile“ zu ihrem aktiven Wortschatz gehört. „Kula maili“ könnte das auf Suaheli heißen, tut es aber nicht, eher „mahakama chakula“ laut Google Übersetzter.

Wieviel Zeit braucht ein ADFC-Radfahrer, um einen solchen „schönen“ Weihnachtsmarkt zu erleben? (Be- oder gar erfahren ist da ja nicht möglich). „Eine Stunde, zwanzig vor zwei also, sammeln wir uns hier,“ sprach laut und deutlich der Fatrofüh. Doch trotz seiner, normalerweise nicht zu überhörenden Sprechweise, fanden sich zu dem angegebenen Zeitpunkt nicht alle ein. „Sie haben offenbar ein Mehr-Gänge-Menü geordert,“ vermuteten jemand nach den gehabten Erfahrungen nicht ganz unbegründet. Das war es jedoch nicht. Die verspätet Kommenden hatten in dem alle umgebenden akustischen Tumult die Anweisung des Fatrofühs doch nicht korrekt vernommen. Nun konnten wir den Rückweg antreten, auf dem es dann zu der eingangs erwähnten Begegnung mit Brutus kam.

Am Ende sieht es so aus, als ob  alle kaputt sind, trotz Elektrokasten Foto: ADFC Dinslaken-Voerde

Am Ende sieht es so aus, als ob  alle kaputt sind, trotz Elektrokasten Foto: ADFC Dinslaken-Voerde

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*Kreuzwortrater wissen, dass es sich hier um den 15., die Mitte eines Monats handelt.

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