Bericht: #Radtour – Über des Tourenleiters #Einsamkeit und #Hundekacke

Haus Hove Foto: ADFC Dinslaken

Die Einsamkeit des Tourenleiters will ich einmal thematisieren. Ich habe sie erlebt am vergangenem, einem trüben Donnerstag der 2. Woche des Jahres 2019: Man fährt verständlicherweise an der Spitze, wenn dann und wann auch einige sich nicht entbrechen (= es sich nicht versagen) können, dank ihres elektrisch betriebenen Hilfsmotors oder ihrer jugendhaften Behändigkeit einen zu überholen. Üblich ist jedoch, dass die Hundertschaft dem Toureneiter schwatzend, murmelnd oder auch schweigend widerspruchslos folgt, allenfalls spöttische Bemerkungen verlauten lässt, wenn er (der ADFC Dinslaken-Voerde e.V. verfügt gegenwärtig nur über Tourenleiter männlichen Geschlechts) sich etwa bei einer Wegabbiegung geirrt hat und die ihm Folgenden zur Umkehr nötigen muss. Passiert das allerdings häufiger, hat er mit bissigeren Kommentaren zu rechnen.

Üblicherweise hat er als Richtungsgeber sich auf die Verkehrssituation zu konzentrieren und seine Aufmerksamkeit besonders dem Navigationsgerät zu widmen. Darauf zu verzichten ist nur wenigen vergönnt, es sei denn, er kennt die Gegend wie die viel zitierte Westentasche. Selbst da, das sei angemerkt, werden mitunter Dinge, wie zum Beispiel Zettelchen oder klebrige Bonbons umhergetragen, die der Aufmerksamkeit des Westenträgers entgangen sind.

„Warum brauchst Du überhaupt ein Navi, wo ihr doch jede Woche fahrt und allmählich Weg und Steg kennen müsst?“ fragen manche der Kunst der Tourenleitung Unkundige. Gute Frage! Vielleicht geht es anderen ebenso wie mir: Im Kopf, auf der inneren „Festplatte“ lagern gleichsam mehrere Touren, Wege und Pfade, die ich zum Teil auch auf meinem Klapprechner habe. Aus diesem Fundus übertrage ich dann eine spezielle, etwa zum Kirchencafe im Centro, auf das Navigationsgerät. Den so auf- und angezeigten Weg folge ich. Lasse ich die Aufmerksamkeit sinken – der Volksmund sagt dann „man schläft“, obgleich man in diesem Falle wacker daher radelt -, kann sich unversehens eine andere Karte von der inneren „Festplatte“ vordrängen und ich fahre einen, vielleicht mir sehr vertrauten Weg, auf den es an und für sich gar nicht entlang gehen sollte. Ein guter Tourenleiter lässt sich so einen Fauxpas (=Irrtum) nicht anmerken und findet dank der Karte auf seinem Navi wieder zu der vorgesehenen Route.

Nicht nur so ein „Sekundenschlaf“ kann in die Irre führen. Gesellt sich jemand zu dem Führenden und unterhält sich angeregt mit ihm, kann das ebenfalls eine Irrfahrt einleiten. Also, ähnlich wie oft im Autobus zu lesen, gilt „nicht mit dem Tourenleiter sprechen“. Und das macht dann einsam. Ein solcher „Sekundenschlaf“ ereilte mich bei der Do-Tour. Deswegen durchquerten wir nicht wie ursprünglich vorgesehen den Volkspark – so heißt das Wäldchen wohl – und die damit verbundene Schrebergartenanlage, sondern radelten auf sehr vertrauten Wegen zur Bahnunterführung Hünxer Straße. Auf die Minute genau kamen wir dort an, nämlich um 10.45 Uhr, und wurden schon erwartet . Die Gruppe wuchs nun glücklicherweise nicht zu einer Hundertschaft an, wie eingangs etwas übertrieben erwähnt wurde, sondern trotz der kühlen Witterung bei 2 o C auf immerhin siebzehn Personen.

Medizin in der Hühnerheide Foto: ADFC Dinslaken-Voerde

Medizin in der Hühnerheide Foto: ADFC Dinslaken-Voerde

Als ein 15-Minuten-Stopp in der Hühnerheide angesagt war, erbarmte sich einer der Radelnden der von der Kälte Geplagten und der nicht Geplagten zur Vorbeugung langwieriger Erkältungskrankheiten, indem er jedem, der es für sich als notwendige erachtete, ein paar Tröpfchen „Medizin“ zukommen ließ – nicht Klosterfrau-Melissengeist.Dank einer vorausgegangenen Überprüfung der Strecke konnten einige, für Radfahrer sehr problematische Punkte gemieden bzw. umfahren werden. So erreichten alle das Kirchencafe auf wohl bekannten, jedoch lediglich anders aneinander gereihten Wegen.

Von dort ging es weiter an dem ausgedehnten Verschiebebahnhof von Osterfeld vorbei durch die

Bei Haus Hove Foto: ADFC Dinslaken-Voerde

Bei Haus Hove Foto: ADFC Dinslaken-Voerde

Siedlung Vonderort, die zwischen 1907 und 1913 im Auftrag der GHH erbaut wurde als Wohnung für die Arbeiter, die aus dem Osten kamen. Am Torhaus vom Haus Hove, das aus dem 15. Jahrhundert stammt und heute als das älteste Steingebäude von AltBottrop gilt, kam ich nicht umhin, die mir so willig Folgenden im Bilde festzuhalten.

Je mehr die Bebauung zurückging und der Weg durch Wald und Wiese führte, umso zahlreicher begegneten uns Hunde einzeln, zu zweit oder dritt, von Menschen begleitet, ein Teil der 5 Mill. Hunde, die es in der BRD nach dem Statistischem

Im Buchenwald Foto: ADFC Dinslaken-Voerde

Im Buchenwald Foto: ADFC Dinslaken-Voerde

Bundesamt geben soll. „Hund“ war schon einmal Thema einer Radtour. Jetzt könnte man deren Ausscheidung zum Thema machen. Rehe, Hasen, Füchse, Ameisen und Fliegen, ja, auch Radfahrer toilettieren im Wald – oder soll ich sagen „scheißen“? Nein, das gehört sich nicht! „Telefonieren“ passt im Blick auf Fliegen oder Wildschweine schon gar nicht. Wenn sich nun diese Tiere und jene Spezies von Mensch im Wald „entleeren“, ist das bei weitem nicht so fatal, d.h. verhängnisvoll und folgenschwer, wie bei einem

Hund, mit oder ohne Mäntelchen, groß oder klein, wenn man da rein tritt. Wer ahnt schon mitten im Buchenwald eine solche Hinterlassenschaft? Scheiße. Vielleicht hat das im Jahr 1444 die Bürger von Wien veranlasst, 866 Hunde zu erschlagen. (Um nicht in irgendeiner Weise verdächtigt zu werden, weise ich darauf hin, dass wir drei mal Hunde hatten, von denen der erste Quasi, der letzte einfach Hund hieß. Aber das am Rande.)

Bis auf diesen Kack-Störfall, der NN widerfahren ist, verlief der Routenrest problemlos, selbst die am Ende des Ausflugs angekündigte Strubbelklasse-Vier-Wegstrecke wurde nicht weiter kommentiert.

58 Kilometer, 275 Höhenmeter

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