Bericht: Radtour – Useliges Wetter

Pause in Krudenburg Foto: P. Diederichs, ADFC

„Das Wetter war uselig“, kann man sagen, und das Wetter spielt beim Radfahren bekanntlich eine gewisse Rolle. Mehrfach hörte ich: „Am letzten Donnerstag – gut dass du nicht dabei warst. Es hat gegossen –  – und Gegenwind!“. Oder „da hast du nichts versäumt, Regen und Gegenwind“. Nein, an diesem Donnerstag der 49. Woche war das Wetter eben nur „uselig“, man konnte also radeln, wenn es auch der reine, der pure unverfälschte Genuss nicht war. Doch der häuslichen Enge, dem „tu ma, mach ma, geh ma“ zu entfliehen, hat etwas für sich, und das zusammen, nebeneinander her Fahren, Quatschen oder Schweigen in freier Landschaft ist eine echte Alternative dazu. Da ist es nicht mehr die Frage ob „Weichei“ oder „Hardcore“ (=zum harten Kern gehören), sondern das einmalige, rauschhafte Gefühl genießen, frei mit anderen durch die reizvolle niederrheinische Landschaft zu fahren, nein: geradezu zu segeln. Und das bei grauem Nebel über den links und rechts des Weges liegenden Wiesen. Wozu in die Ferne schweifen, heißt es, wo man es doch so nahe hat, das kleine, besondere Erlebnis mit surrender Kette, schnurrendem Hilfsmotor sich kalten Wind um das Haupt wehen zu lassen.

Ein Schluck Medizin Foto: P. Diederichs, ADFC

Ein Schluck Medizin Foto: P. Diederichs, ADFC

In Krudenburg, wo Spurenreste der adventlichen Heimsuchung nach Romantik gierender Menschenmassen nicht zu übersehen waren, gesellten sich noch ein paar mehr zu der dreizehn köpfigen Schar. Derweil der Fatrofüh eine Zigarette schmauchte, kroch des Herbstes Kälte in einem hoch. Selbst die winzigen Tröpfchen eines alkoholischen Getränkes von Schokolade umhüllt, von NN dargereicht , vermochten niemanden die Füße, wohl das Herz etwas zu erwärmen. Wer nun keine vor Abkühlung geschützte Heißgetränke in seinem bzw. ihrem Gepäck mitführte, war mithin der verhältnismäßig niedrigen Temperatur noch mehr  ausgeliefert. Das änderte sich jedoch an der Bärenschleuse, wo die donnerstags Radelnden immer einen Stopp einzulegen pflegen, wenn der vorgesehene Weg dort die Issel quert. Bei eben dieser Unterbrechung der Fahrt zog zur großen Freude aller einer der Mitfahrenden eine Flasche mit Medizin hervor. In kleinen, winzigen Plastikbecherchen ließ er alle an dem würzig schmeckendem Getränk teilhaben. Sein Geburtstag veranlasse ihn, so tat er kund, bei diesem useligen Wetter allen Medizin zur Aufmunterung und Erwärmung  zu spendieren. Ihm sei gedankt!

Einkehr und damit zugleich der Wendepunkt dieser donnerstäglichen Rundfahrt war die Großbäckerei in Hamminkeln. Während man in dem weiten Raum hinter der Glaswand einige Frauen an Backmaschinen herumwuseln sah, wärmten sich einige von uns an dem flackernden Kamin, andere verputzten, dabei Kaffe schlürfend, Kuchen, und alle wärmten sich irgendwie auf, bis dann der Fatrofüh zum Aufbruch blies.

Wieder auf bekannten Wegen, die zugegebenermaßen zum Teil neu aneinandergefügt waren, radelte man gen Süden, das heißt, gen Heimat. Wo eins die Preußen exerzierten, heute der Rhein zu überqueren ist, trennte sich Schar. Einige suchten nun eiligst das traute Zuhause auf, während sich andere noch durch die Lippe-Auen führe ließen. Ich war bei den Heim-Rasern.

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