Bericht: Radtour – Von Hundekacke und Frauenquote

Schloss Diersfort Foto: ADFC Dinslaken-Voerde

Was hat das eine mit dem anderen zu tun, könnte man sich fragen. Voreilige würden vielleicht unter Verwendung des Wortes, dass in zunehmendem Maße salonfähig wird, sagen  „beides ist Scheiße“.

Wir gehören aber nicht zu den Voreiligen, sondern zu den Donnerstags-Radtouristen am Niederrhein, die im Verlauf der Tour zu diesen beiden Themen tiefschürfende Gespräche führten.

Donnerstag der 5.Woche starteten wir also wie all donnerstagstäglich und zählten um Mittag, am Ort der Einkehr bei Bors in Hamminkeln schließlich vierundzwanzig Personen. Dabei, das bedenke man, hatte ich eindrücklich warnend auf mein seniorenhaftes SchleichTempo und die Wolkenbrüche hingewiesen, die von den lokalen Wetterpropheten angekündigt waren – und dann ausblieben.

Zunächst radelten wir auf sehr vertrauten, oft befahrenen Wegen, zum Teil munter quatschend, zum Teil schweigend vor sich hin meditierend zum Lippeschlößchen. Dort erwarteten uns am Rande des vorüber brausenden Verkehrs noch ein paar Velozipeden, wie man sie in der Schweiz vielleicht nennen wird. Nunmehr zum Fatrofüh avanciert geleitete ich den Tross an Wesel vorbei auf der  Waldstraße durch Flüren zum Schloß Diersfordt, das, wie ich dank Wikipedia herausgefunden hatte, 1432 gebaut wurde. Vor uns lag es nun mit der Kapelle, einem Bauwerk der Renaissance. Wir schoben die Räder über den mit Kies bestreuten Platz, stellten sie dort ab, um das kleine Kirchlein zu besichtigen. Da geschah es beim Verlassen des Geländes: NN trat in eine hündische Hinterlassenschaft, wobei  für sie die Frage mit Sicherheit zu vernachlässigen ist oder war, ob  ein Rehpinscher, ein Chihuahua oder eine Tibetdogge dahin gekackt hat.

Schloss Diersfort Foto: ADFC Dinslaken-Voerde

Schloß Diersfordt Foto: ADFC Dinslaken-Voerde

Man soll’s nicht glauben, so etwas lag da also vor oder gar auf des Schlosses Hofe!  Dieser Haufen – oder war’s nur ein Häuflein? – löste eine, wie eingangs erwähnt, tiefschürfende Debatte aus. So stritt man sich wenig später, ob Hunde sich nur auf Kies oder nur auf Gras entleerten. Auf jeden Fall lag hier eine Ordnungswidrigkeit insofern vor, als Hundehalter für die Beseitigung der Haufen oder der Häuflein sorgen müssen. Man bedenke, dass laut Statistik die 7 Millionen registrierten Hunde in der Bundesrepublik bei täglich etwa zwei Verdauungsgängen 5,5 Millionen Häufchen im Jahr hinterlassen. NN erwischte mithin nur einen winzigen Bruchteil der bundesrepublikanischen Hunde-Kackhaufen. Das bringe, wie einige in der weiteren Diskussion behaupteten, Glück. Was jedoch die vielen Häufchen mit Glück oder gar einem Lottogewinn zu tun haben sollen, wie diese meinten, blieb und bleibt ungeklärt. Wenn die Häufchen oder Haufen denn so glücksträchtig wären, sollte man da nicht ständig in solchen Kackhaufen herumtrampeln? Wir müssen, ob wir wollen oder nicht, nur zur Kenntnis nehmen: Hunde müssen eben häufeln, wie Menschen auch Mist (Sch …) machen.

In Mehrhoog fuhren wir ohne Halt an der Bäckerei Winkelmann vorüber, wo wir schon mehrere Male Einkehr gehalten hatten. Jetzt, nach lediglich 27 Km isst man vielleicht eine Banane oder sein Breichen, mehr nicht. Dazu war wenige Kilometer weiter beim nächsten  „Boxenstopp“ Gelegenheit gegeben. In der Pause griff ich eine vorher gefallene Behauptung auf, dass wir ADFC-Menschen eine „Männergesellschaft“ darstellten, in der Frauen kein Mitspracherecht hätten. „Frauen fahren da gegen die Wand“, meinte NN2, wollte damit wohl sagen, dass sie für sich keine Einflussmöglichkeit im Allgemeinen Deutschen Fahrradclub sähe. Das zeige sich, so untermauerte sie ihre Aussage unter anderem mit der Begründung, dass, wenn Fatrofüh’s ♂ eine Pause ansetzten, selten daran dächten , dass auch Frauen „telefonieren“ müssen.

Unabhängig davon ist vor kurzem auch beim ADFC irgend jemand auf das Thema „Frauenquote“ gestoßen und trug allen Ortsgruppen, also auch uns auf, Frauen mehr Leitungsfunktionen zu übertragen. Hier war nun die Stunde gekommen, den Auftrag des ADFCs kund zu tun und zu versuchen, ihn umzusetzen . Dieses ist oder könnte man als  eine organisatorische und soziale Notwendigkeit bezeichnen, das eingangs erwähnte Hunde-Häufchen-Problem hingegen stellt ein ästhetisches Ärgernis und zugleich eine gesellschaftliche Herausforderung dar. Bei jedweder Lösung gibt es allerdings hier wie da Widerstände.

Der Tross näherte sich allmählich Ringenberg. Links sah man eine Fabrikanlage, in der Bettzeug und ähnliches hergestellt wird, wie einige wussten. Rechts lag eine Wiese, auf der dicht an dicht graue Gänslein, am Gras sich labend, lagerten,. „Dumme Gänse“ muss man wohl sagen. Warum?  Als wir an ihnen vorüber radelten, konnten einige von uns es nicht unterlassen, sich dem Janovschen Urschrei ähnlich, lautstark bemerkbar zu machen, nicht aus therapeutischer Absicht, sondern in dem Augeblick einfach infantil regredierend. Die „dummen Gänse“ hätten sitzen bleiben, sich mit den Flügeln am Kopf kratzen und denken können, „sieh da, gelbe Deppen“. Statt dessen flogen sie lautstark palavernd auf und verzogen. Nun können wir von zweifachen Glück reden. Einmal, dass diese Tierchen bekanntermaßen aus Sibirien kommen und nicht aus China. Ich sage nur: Corona-Virus! Zum anderen, dass sie nicht über uns hinweg flüchteten und uns möglicherweise von oben noch beschissen hätten.

Vor dem Lippeschlößchen am Ende der Tour Foto: ADFC Dinslaken-Voerde

Vor dem Lippeschlößchen am Ende der Tour Foto: ADFC Dinslaken-Voerde

Von Ringenberg aus war eine Abstecher von 1,8 km nach Hamminkeln erforderlich, weil es in dem Ort selbst keine für uns geeignete Gastronomie gibt. So lenkte ich den Tross zur Großbäckerei Bors, die als Backwarenproduzent über kein umfangreiches Menüangebot verfügt. Folglich ließ sich die Verweildauer auf 45 Minuten beschränken. Zwei der Unsrigen erwarteten uns dort, zwei, die des E-Mail-Lesens nicht so kundig sind, hatten die Änderungen der Route nicht zur Kenntnis genommen, nehmen können, waren nach ihren Erzählungen auf etwas abenteuerlichem Weg ebenfalls zu Bors gekommen.

Vom weiteren Verlauf der Tour ist nichts Bewegendes oder des Nachdenkens Würdiges mehr zu berichten. Es hatte sich, das sei noch angemerkt, bis Ende der 65 km langen Tour keine Fatrofüh*in für eine der nächsten Donnerstagstouren gemeldet, was ich dem ADFC mitteilen will.

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