Bericht: Radtour – War nix los – am Rande einer Damenfastnacht

E-Bike Ladestation Stadtwerke Dinslaken Foto: ADFC Dinslaken-Voerde

Es war eine ereignislose Rad-Rundfahrt. Aber was bedeutet „ereignislos“ in dem Zusammenhang? Wie kann eine Radtour ‚ereignislos‘  sein? Etwa langweilig, gar zum Einschlafen? Zugegeben, eine Zeitung ohne Ereignisse von denen sie als Zeitung normalerweise berichtet, ist keine Zeitung. Aber eine Radtour, bei  der es keine berichtenswerte Ereignisse gibt, ist das keine Radtour? Was dann? Sollte sie gar langweilig sein? Muss denn erst ein Pfiffi zwischen die Speichen springen oder in eines Radlers Wade beißen? Ein Pinkler lautstark angebölkt werden, das Wasserlassen gefälligst zu unterlassen? Muss erst ein ‚hirnloser‘ Autofahrer bei heruntergelassener Scheibe uns Radler unflätig anschreien? Muss alles nicht. So eine Fahrt auf dem Fahrrad kann ereignislos und doch sehr schön, angenehm und erquicklich sein, sind doch andere Menschen dabei, mit denen man über Gott und die Welt oder sich nur über Federungen eines Sattels unterhalten kann.

Es hätte aber total anders kommen können. War ja Weiberfastnacht. Wikipedia: „Es ist an diesem Tag seit Mitte des 20. Jahrhunderts Brauch, dass Frauen den Männern die Krawatte als Symbol der männlichen Macht abschneiden. So laufen die Männer nur noch mit einem Krawattenstumpf herum, wofür sie mit einem Bützchen (Küsschen) entschädigt werden.“ Dazu kam es nicht, denn wer geht schon mit Krawatte um den Hals auf eine Radrundfahrt. Wäre ja eine Idee für Rose in Bocholt, das Outdoor-Klamottenangebot im Bike-Tower, -town oder –shop um Radfahrerkrawatten in modischem Radlerdesign zu erweitern. Das ist das eine, was zu einem „Ereignis“ hätte werden können. Ich hätte allerdings auf das „Bützchen“ dann gern verzichtet. Das Andere wäre gewesen, wenn vor dem Start Mitfahrwillige NN♀ gekommen wäre und zu mir gesagt hätte: „Schluss mit der Männerwirtschaft im ADFC Dinslaken-Voerde e.V., heute mach ich die Tourenleiterin! Wo es hingeht und wo ‚telefoniert‘ wird, bestimme heute ICH!“ Wir anwesenden Tourenleiter♂ hätten vermutlich „Hurra“ geschrien und vor Freude überschäumend die neue TLin in der TL-Runde willkommen geheißen. Nein, zu diesem oder jenem Ereignis kam es nicht, was man bedauern mag.

Und so war es am Donnerstag in der 8. Woche eine ereignislose, aber schöne Tour, behaupte ich

Rast Halde Hühnerheide Foto: ADFC Dinslaken-Voerde

Rast Halde Hühnerheide Foto: ADFC Dinslaken-Voerde

einmal, zumal wir keinen Fußgänger umgelegt haben. Das hätte ja immerhin passieren können, wo doch  das Nahen eines solchen nicht immer mit dem Ruf „Gegen!“ warnend zu den am Ende Fahrenden weitergegeben wird. Die allgemeine Fahrdisziplin der Mitradelnden, das sei in diesem Zusammenhang nur eben mal angemerkt, kann sich durchaus noch zum Besseren entwickeln. Immerhin wurde kein entgegenkommender Radler noch ein überholendes Auto touchiert oder in die Büsche gescheucht. In dieser Beziehung kann man nur von Glück reden, dass es eine ereignislos Radtour war.

Sie begann, dass sei erwähnt, irritierend. Einige kamen zwar nicht durchnässt, aber immerhin etwas angenässt zum Treffpunkt Rathaus Voerde. Manche schienen der Ausrüstung nach sogar mit himmlischen Sturzbächen gerechnet zu haben. Nichts von dem trat nach dem Start ein. Einige Tropfen tröpfelten noch von oben. Das war es dann. Durch die

Im Kirchencafe Foto: ADFC Dinslaken-Voerde

Im Kirchencafe Foto: ADFC Dinslaken-Voerde

Schrebergartenanlage und den sich daran anschließende Volkspark radelten wir zu den Stadtwerken Dinslaken, wo noch weitere fünf Bewegungshungrige zu uns stießen, so dass die Gruppe nun mit zwanzig Personen nach der StVO einen „Verband“ bildete.

Irgendwie war man die weiteren Wege schon irgendwann einmal gefahren, durchs Walzwerk zur Hühnerheide und weiter zu einer schon mehrfach angesteuerten Schutzhütte. Hier nun sei eine Korrektur zu vermerken: Am Wegesrand lag nicht eine „niedrige Halde“, sondern eine ehemalige Mülldeponie, schenkt man dem Straßenatlas von FALK Glauben. An dieser Deponie führte der Weg mit einer kleinen Steigung entlang, um nach kurzem Gefälle jäh nach links abzuknicken und uns durch Wald radeln zu lassen.

Sterkrade, Hohag-Trasse – alles bekannte „Pfade“. Im KIrchen-Café vom Centro waren wir zunächst die einzigen Gäste, bis eine ältere Dame das Lokal betrat. Es war, kurz gesagt, so leer, wie wir  es bisher dort noch nicht erlebt hatten. Sehr wahrscheinlich feierten die, die sich sonst hier aufhalten, Weiberfastnacht, oder sollte man heutzutage nicht besser „Damenfastnacht“ sagen?

Rast am Teich bei Bottrop Foto: ADFC Dinslaken-Voerde

Rast am Teich bei Bottrop Foto: ADFC Dinslaken-Voerde

Über den weiteren Tourenverlauf könnte ich jetzt den Bericht von der 2.Kalenderwoche 2019 zitieren. Damals hatte man sich vor dem alten Torhaus von Haus Hove zu einem Foto aufgestellt, woran sich einige erinnerten. Von dem Park in Bottrop aus änderte ich den Weg kurzfristig. Im vorigen Jahr gab es ob der etwas struppigen Wegführung Protest. Damit umzugehen hatte ich bei meiner „Ausbildung zum ADFC- zertifizierten Tourenleiter“ nicht gelernt, so dass das ein fast traumatisierender Erinnerungsbrocken geblieben ist. Außerdem  hatte einer der Teilnehmer mitten im Wald in einen Haufen Hundeexkremente getreten, weil dort zahllose Spaziergänger ihre „treuen Freunde“ Gassi zu führen pflegen.

Wie gesagt, es war eine ereignislose Tour, und das war letzten Endes gut so. Das gemeinsame Radeln endete für die einen an der Mühle in Hiesfeld, für andere erst in Voerde wie meistens mit lautem „Tschö“ nach ca.62 km.

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