Bericht: Radtour – Weihnachtsmarkt Xanten

Weihnachtsmarkt Xanten Foto: Anne Beier, ADFC

Bei Wind und Wetter

Jeden Donnerstags fahren wir, und das ist bekannt, bei Wind und Wetter. Wind hatten wir nicht. Die leichte Brise aus SW konnte man vergessen, aber Wetter war da, ist auf unserer Erdkugel ja immer da, fällt sogar wegen Regen nie aus. Wenn jemand von „Wind und Wetter“ redet, meinen sie wie er: Schiet-Wetter. Und so war es. Nach Xanten sollte es gehen. Blick nach draußen zeigte: Es ist usselig, was nach Wikipedia  der Sprache des Ruhrgebietes entstammt, kalt und ungemütlich bedeutet; das übliche Wetter im Ruhrgebiet, heißt es da weiter.

Weg in Namibia Foto: Peter Diederichs, ADFC

Weg in Namibia Foto: Peter Diederichs, ADFC

Doch bevor ich aufbrach, öffnete ich noch eben mal die  Mails, bei denen ich die einer Rad-Bekanntschaft fand: „Deine Grüße erreichen uns unter der Sonne Sambias …,“ las ich da und dazu ein Foto (links), von einem struppigen Weg, „Klasse 4“  würde ich sagen (s. Bemerkung zur 48. Woche – Fisch-Bruno), also Schlamm, unbefestigt, stellenweise schwierig zu fahren – mit dem Fahrrad.

Die Xanten-Tour wird ein Kontrastprogramm, überlegte ich: nix Sonne, nix struppige Wege und

Unterwegs nach Xanten Foto: Anne Beier, ADFC

Unterwegs nach Xanten Foto: Anne Beier, ADFC

schlussendlich Weihnachtsmarkt, das habe die da in Sambia garantiert nicht! Zudem sind wir schon hundert Mal nach Xanten gefahren, eben bei „Wind und Wetter“, auch bei hochsommerlicher Wärme, so dass die Xantener Nordsee damals zum Bade einlud. Davon konnte nun allerdings nicht die Rede sein, so kurz vor Weihnachten.

Bei solchem usseligen Wetter ist auch der Landschaft nicht mehr viel abzugewinnen, durch die man schon so oft gestrampelt ist. Rheindeich, Büderich, kahle Felder, Wegkreuzung mit einem Denkmal, das an das Hungerlager von Rheinberg erinnert, eines von fünf, das hier für  50.000 Kriegsgefangene eingerichtet worden war.

Eine erste Pause war angesagt, lang genug, um des Wetters und eines vergangenen Geburtstages wegen Medizin zu verteilen, wobei im Blick auf die Umweltbelastung bedauerlicherweise die meisten auf das Angebot von winzigen Kunststoffnäpfchen angewiesen waren. Die Sechzig hatte der um das Wohlbefinden aller Besorgte gerade überschritten.

Von da aus ging es weiter durch eine hinreichend bekannte Gegend, unter anderem auf einem Weg, den wir im Frühjahr nach dem Orkan, Namen Sowieso, nicht hatten befahren können und ihn frei zu räumen uns vergeblich bemühten.

Was macht man da außer sich per Fahrrad zu bewegen? Man/frau quatscht Wichtiges und Unwichtiges, besser ausgedrückt: Man kommuniziert miteinander. Die Themen werden von den aktuellen Printmedien vorgegeben, wobei zu betonen ist, nicht von der BILD-Zeitung. Damit sei angezeigt, dass die Kommunikation auf einem gewissen Niveau verläuft.

Vereinsamtes Karussell Foto: Anne Beier, ADFC

Vereinsamtes Karussell Foto: Anne Beier, ADFC

Zum Beispiel kam zur Sprache, dass sich heute alles ums Geld dreht, wobei unklar blieb, ob das vor hundert Jahren anders war, dass die Weltmeere verschmutzt sind, Kunststoff das Problem ist, die Folgen des Kali-Abbaus gar nicht abzusehen sind, die Welt früher besser war. Vielleicht ist es bei allen Klagen gut zu wissen, dass der Sokrates vor mehr als 2000 Jahren über seine Zeit auch nicht so ganz glücklich war: „Die Jugend liebt heutzutage den Luxus,“ soll er gesagt bzw. geschrieben haben, „sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte…. und tyrannisieren ihre Lehrer.“ Zugegeben, einiges konnte Sokrates nicht ahnen, dass z.B. ein Weltraumfahrer, nämlich Alexander Gerst, nach einem halben Jahr wieder auf die Erde zurückgekommen ist. Fahrradfahrerthemen.

Bei Birten eine leichte Steigung und es wetterte, d.h. es begann zu regnen, vor uns lag Xanten, die alte Römerstadt mit dem Weihnachtsmarkt. Holzbuden in denen alles Mögliche zum Verkauf angeboten wird, von dem vieles als Weihnachtsgeschenk verpackt und später irgendwann mit Sicherheit verschröttelt oder sonst wie entsorgt wird. Eine verwaiste Bühne ließ vermuten, dass man versucht, von hier aus abends Atmosphäre zu verbreiten oder zu produzieren, soweit das möglich ist. Im Augenblick ist nur dezentes Geklimper aus dem Hintergrund zu vernehmen, sonst nichts, kein „alle Jahre wieder“ oder “ Stille Nacht“. Hatte GEMA für Ruhe gesorgt?

Außer uns gelb bewesteten Radlern schlenderten einige „Zivilisten“ auf dem Platz herum, Menschen

In Xanten angekommen Foto: Anne Beier, ADFC

In Xanten angekommen Foto: Anne Beier, ADFC

im Rollstuhl, andere mit Einkaufstasche, von einer so oft erwähnten weihnachtlichen Hektik war nichts zu spüren.

Eine Stunde Zeit hatte der Tourenleiter uns eingeräumt, den von manchen als „schön“ gerühmten Weihnachtsmarkt zu besuchen, zu begehen, zu genießen, sofern das möglich war. Meine Gedanken zum Wirtschaftsfaktor „Weihnachtsmarkt“ von der 49.Woche des Jahres 2017 könnte ich hier wiederholen, lasse es aber.

Und dann ging es auf dem kürzestem Weg nach Hause, wobei die zahllosen Wildgänse nur hin und wieder einmal mit einem janowschen Urschrei beunruhigt wurden und schon einmal aufflatterten. Eine letzte Medizinverteilung vor der Rheinquerung an der Brücke, und die Gruppe löste sich langsam auf. Die einen strebten Wesel, die anderen diversen Voerder Stadtteilen oder Dinslaken zu.

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