Bericht: #Radtour – Zum #Café #Extrablatt (Dorsten)

Cafe Extrablatt Dorsten Foto: Wolfgang Beier, ADFC

Es fuhren da Menschen per Raden / sie quatschen so gern bei der Fahren /

Manchmal ist‘s  Scheiß /  als Hörer du weiß /

Gezogen herbei ist‘s an Haaren.1

Denke ich an diese Do-Tour, fällt mir zunächst nichts Besonderes ein. Dabei ist jede Tour einmalig. Wie heißt es so treffend? „So jung wie heute sehen wir uns nie wieder!“ Das macht schon einmal das Besondere aus. Regen war angesagt. Und in der Tat: Die Scheibenwischer der vorüber fahrenden Autos wischten unermüdlich. Doch als es 9.40 Uhr war, hatte sich das geändert. Die Wischer waren nicht mehr in Aktion, also hatte ich den Regenumhang nur vorsorglich in die Tasche zu stecken und mich so auf den Weg zum Stadtzentrum von Voerde zu machen.

Gelb Bewestete waren schon von weitem erkennbar. Sogar jemand aus dem fernen Kevelaer hatte sich zu ihnen gesellt. Nachdem der für diese Tour Verantwortliche allen nicht nur mitgeteilt hatte, wohin es gehen sollte, sondern auch zusicherte, der Witterung wegen möglicherweise struppige Wege (Klasse 3 und 4) zu umfahren, ging es los. War es das vierundfünfzigste, das hundertste oder n.+1. Mal, dass man sich hinter Din.-Bruckhausen den „Berg“ hoch quälte? Am weißen Haus noch weitere Mitfahrwillige sich anschlossen? Man nach der üblichen Begrüßung  die Autobahn überquerte? Ja, der Fahrweg war bekannt, so bekannt, dass ihm wohl niemand besondere Aufmerksamkeit zu schenken genötigt war. Es ist nun einmal des Donnerstags-Radlers Schicksal, dass sie wie er nahezu jede Straße und jeden Wirtschaftsweg der Qualitätsklasse 1 und 2 im Umkreis von schätzungsweise 25 km kennt und möglicherweise schon viele Male gefahren ist

Also kann man vor sich hin fahren, sinnend schweigen oder miteinander kommunizieren, hier im Sinne des ugs.2 Quatschen. Der Themen gibt es natürlich zahllose, wie  Magurabremse, Zen-Budhismus,  Missbrauchskandal, Urlaubspläne und -erfahrungen, „Hund“ in der altägyptischen Mythologie, Probleme der Fotovoltaik-Anlagen, Da-Wamma-Schon Erinnerungen und viele mehr. Nein, es soll niemand meinen, ADFC-Menschen wären ein stumpfsinnig durch die Gegend fegender Haufen. Und, sollte das eine Thema nicht interessieren, kommt eine Ampel, Straßenquerung oder Boxenstop, schon ist ein/e andere/r da mit neuen Gedanken. Zweifellos ist jede/r voll von Geschichten, reich an Erfahrungen und gewichtigen Überlegungen, die sie/er gern einmal anderen mitteilen möchte. Das ist fürwahr anders als ein Stammtisch, bei dem es kaum eine Möglichkeit gibt, einem Schwätzer auszuweichen.  So nebeneinander her radelnd bleibt es jedoch bei  einer gewissen Oberflächlichkeit. Für eine, nach Hintergründen suchende Rückfrage bei manchen Aussagen, wie: „was hat das mit Dir zu tun“, stimmt das Setting3 einfach nicht.

Bei der Pause an der Öl-Pellets-Halde stellten alle ihre Fahrgeräte am Rande des Weges ab, denn einmal, so erinnerten sich viele, sei ein Lastwagen daher gekommen und man habe flugs die Bahn frei machen müssen. Nun gab es zur Stärkung und Stützung des Kreislaufes sowie gegen mögliche depressive Stimmung ein winziges Gläschen Medizin, um dann frohgemut die Tour fortsetzen zu können, auf verschlungenen Wegen. Die waren allerdings, wie erwähnt, wohl den meisten bekannt, jedoch so miteinander verknüpft, dass nicht alle immer genau wussten, wo sie sich zwischen welchen Ansiedlungen befanden. Die Kunst, bekannte Wege neu zu sortieren, sie anders aneinander zu reihen, hatte der Tourenleiter ausgezeichnet verstanden. Wir erreichten daher planmäßig Dorsten. Da sind wir auch schon hundert Mal gewesen, aber eben nicht auf diesem Track4. Vielleicht doch, unter des Großen Tourenleiters Führung? Ich weißes nicht.

Gastronomie in Dorsten Foto: Peter Diederichs, ADFC

Gastronomie in Dorsten Foto: Peter Diederichs, ADFC

Er „habe uns im Café Extrablatt avisiert,“ hatte der Tourenleiter allen e-mailig kund getan. Wir wurden dort somit erwartet. „Die Bude war voll“, könnte man ugs. sagen, aber für uns war Platz reserviert, Raum genug, genussvoll zu speisen und sich zu unterhalten. Das war Gelegenheit  sich nach diesem oder jener zu erkundigen, die zu denen gehören, die, wenn ihnen möglich, immer am Donnerstag dabei zu sein pflegen. Man vermisse sie seit einiger Zeit, wurde festgestellt. „Weiß jemand, wo NN ist?“ hieß es da. „Sie sitzt im Keller“, meinte jemand. „Was treibt sie da? weint sie gar?“ fragte ein anderer mitfühlend nach. Nein, sie wolle umziehen und sei dabei auszusortieren, zu packen, wie das dann eben erforderlich ist. „Und NNa?“ Welcher NNa – der Thai- oder der Mon-Cheri-NNa? Auch über deren Befindlichkeit berichteten Kundige, soweit sie auf dem Laufenden waren.

Hinter den Toren von Dorsten blies der Wind, der uns bis dahin oft geschoben hatte, heftig entgegen. Das Windschatten-Fahren wollte nicht immer gelingen, so dass sich die Gruppe weit auseinander zog. Vorne fuhren die mit Elektromotor Versehenen  (=E-Biker) und die jugendlich Fitten, in der Mitte die halbwegs Fitten und am Ende die gemütlich Fahrenden, sowie der mit Funksprechgerät (= Walkie-Talkie) ausgerüstete, designierten „Letzte“. In solchen Phasen erstirbt die verbale Kommunikation, wie auch auf struppigen Wegen. Da klagt man allenfalls im Chor über den jeweiligen Tourenleiter, muss jedoch dabei die volle Aufmerksamkeit dem Weg widmen. Jetzt  hatte der Tourenleiter leider keine Wind-Umwandlungsmaschine dabei, führte dafür aber, wie eingangs erwähnt, auf Wegen der Klasse 1 und 2  – und  0 (Radwege an Hauptverkehrsstraßen).

Am Schmückerhof gab es wieder einen Boxenstop und die Möglichkeit, sich medizinisch zu stärken, sowie die Stimmung aufzuhellen. Der Gedanke, für 2 km einmal die elektrische Antriebshilfe auszuschalten, um so für jede/n eine gut zu fahrende Geschwindigkeit zu haben, fand keine Zustimmung. Immerhin kamen alle zusammen am Flugplatz Schwarze Heide an. Während der Tourenleiter eine Reifenpanne an seinem Rad zu beheben hatte, ergriff einer die Gelegenheit, noch einmal Medizin anzubieten. Hier war  auch Zeit gegeben, vorgefertigte Namensschilder an diejenigen zu verteilen, die nahezu regelmäßig donnerstags dabei sind. „Wer so ein Schildchen hat, schreibe  bitte auf die Rückseite die Telefonnummer, die man anrufen muss, wenn es wegen irgendeines Ungemachs erforderlich sei,“ sprach der 2. Vorsitzende und erinnerte damit an einen beim Radlertreff gefassten Beschluss.

Nach erfolgreicher Beendigung der Reparaturarbeiten  ging es problemlos weiter, zumal kaum noch Steigungen zu überwinden waren. Alsbald trennte sich NNb von der Gruppe, hernach zog es auch andere heftig nachhause. Sie bogen etwas später ab. So „zerbröselte“ die Schar allmählich während der weiteren Fahrt . Nach ca. 65 km endete die Donnerstagstour der 6. Kalenderwoche.

Ein Limerick, ein kurzes, in Gedicht in fünf Zeilen – s. Wikipedia

2 ist die in Kreuzwortsrätseln übliche Abkürzung für „umgangssprachlich“

3 Setting (von: das Setzen, die Anordnung) bezeichnet das Milieu, die Umgebung, die Situation oder das Arrangement

4 Track (englisch für ‚Weg‘, ‚Spur‘, ‚Gleis‘)

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