Bericht: Radtour – Zum „drive in“ 3

Mit dem ADFC nach Königshardt Foto: ADFC Dinslaken-Voerde

Start am Rathaus Foto: ADFC Dinslaken-Voerde

Start am Rathaus Foto: ADFC Dinslaken-Voerde

„Die Wege sind bekannt“, sprach der für diese Donnerstagstour zuständige Tourenleiter unüberhörbar in seiner einleitenden Rede unweit der Schrottsäule vor dem Rathaus in Voerde. Doch so ganz stimmte das nicht, jedenfalls nicht für alle. Er zog nämlich die ihm Folgenden durch Straßen von Dinslaken, in denen ich noch nicht gewesen bin und durch die zu fahren ich bislang auch keine Veranlassung hatte. So nun lernte ich anderes kennen, ob Interessantes, sei dahingestellt. Eine gewisse Überraschung war es schon, dass der zweite Treffpunkt „Am Pollenkamp“ war. Da haben wir uns, solange ich mitradele, noch nie versammelt. Es harrten unser dort unübersehbar weitere Personen mit Fahrrad und gelben Westen, die mit uns fahren wollten, wiewohl wir schon ein großer Haufen waren,. So wuchs der Tross auf vierunddreißig Personen an, und aus dem Touren-Leiter wurde ein Fatrofüh, ein Fahrradtrossführer.

Dass er diese Aufgabe mit Bravour bewältigte, wird niemand bestreiten wollen. Zum Verständnis:

Start Trabrennbahn Foto: ADFC Dinslaken-Voerde

Start Trabrennbahn Foto: ADFC Dinslaken-Voerde

„Bravour“ bedeutet hier „mit vollendeter Meisterschaft“ (vgl. Duden, deutsche Rechtschreibung). Bekanntlich fordert es vom Fatrofüh einer solchen Masse besondere Achtsamkeit und nicht zu vergessen, dass es einige, zwar nur sehr wenige, radelnde Menschen in dem Tross gibt, die immer noch auf einen elektrischem Antrieb verzichten. Sie mögen etwas rückständig sein – aber es gibt sie noch.

Auf Wegen und Pfaden, die nicht selbstverständlich zur inneren Landkarte eines*r jeden*r gehören, führte er den „NN-Haufen“, wie NN den Tross spontan nannte. Der Untergrund war bisweilen etwas strubbelig. Mehr hätte es nicht sein dürfen. Das hätte bei den ihm Folgenden ein großes Palaver ausgelöst und heftige Unmutsäußerungen nach sich gezogen.

Es ist wie beim Stricken: Der Faden ist bekannt, das Muster ist geplant, jedoch immer unterschiedlich. So sind die Wege (meistens) bekannt, nicht aber der Track.

Pause unterwegs Foto: ADFC Dinslaken-Voerde

Pause unterwegs Foto: ADFC Dinslaken-Voerde

An der „niedrigsten Halde des Ruhrgebietes“, wie NN1 behauptete, ließ der Fatrofüh absitzen und verteilte in, bedauerlicherweise sehr winzigen Näpfchen, ein paar Tröpfchen Medizin, zwar nicht von Höchst oder Bayer Leverkusen, sondern aus dem Schwarzwald, wenn ich mich nicht irre. Zudem gab es noch ein weiteres, ebenfalls in geringster Dosierung verabreichtes Heilmittel gegen mögliche Lustlosigkeit, Faulheit, Sturheit und was den Genuss des gemeinsamen Fahrens noch trüben könnte. Ich führe, das sei ganz am Rande erwähnt, für solche Gaben aus Umweltschutzgründen (!) einen Becher mit, den ich vor vielen Jahren von der PANAM habe ‚mitgehen‘ lassen.

Nach nur 30 km erreichten wir eine „Drive-in-Bäckerei“. Warum stand auf dem unübersehbaren Schild „drive in“ und nicht „Fahr rein“ oder  „guidare dentro“? Ebenso hätten sie „movete in“ schreiben können, sich also der lateinischen Sprache bedienen können, die doch einst ebenfalls der allgemeinen Verständigung diente? Kurz: Uns war es versagt, hinein zu draiven, wozu das unübersehbare Schild eigentlich aufforderte. Es richtete sich offenbar nur an den behäbigeren und trägeren Teil der Menschheit. Wir hatten abzusteigen und unsere Wünsche zu äußern, wie es in einer Bäckerei der BRD Brauch und Sitte ist. Nix Drive in!

Da es in diesem Etablissement keinen Hackbraten, Steak, Cordon Bleu, nicht einmal „Pommes mit Majo“ gab, konnte der Fatrofüh die Fahrtunterbrechung auf fünfundfünfzig Minuten beschränken, musste nicht damit rechnen, dass von Hunger Geplagte ein voluminöses Mahl bestellt hatten und damit den Zeitrahmen sprengen würden.

Die weitere Fahrt ging nun nicht auf der Standspur der Autobahn entlang, wo man in Macedonien und Griechenland da doch hätte radeln können. Das hätte fürwahr ein matsch-, schotter- und schlaglochfreies Radeln bedeutet, wie es sich sehr viele Fahrradfahrer, auch in dem Tross, wünschen. Es ging auf Wegen weiter, die streckenweise durch die reichlichen Regengüsse in den vergangenen Tagen schon etwas pfützig und aufgeweicht waren. Mit im Matsch quitschenden und rutschenden Reifen versuchten wir abgrundtiefe Schlaglöcher zu umrunden. Mit großem Entsetzen nahmen schließlich einige wahr, dass ihre Zweikreiser, ihre E- oder „Normalbikes“, allmählich eingesaut waren.

und noch eine Pause Foto: ADFC Dinslaken-Voerde

und noch eine Pause Foto: ADFC Dinslaken-Voerde

Vom Grafenmühlen-Teich, wo es noch einmal von NN2 ein Näpflein Medizin gab,  ging es an der Motorrad-Balzfront vorbei auf verschlungenen Wegen zum Kellerweg/Bergschlagweg. Dort übergab mir der Fatrofüh sein „Amt“, nachdem vorher schon ein paar Radler den „NN-Haufen“ verlassen hatten. Er würde wenig später mit einigen, aus Dinslaken Kommenden, abbiegen. Mein „Amt“ legte ich  kurz vor der Querung der B8 nieder, wünschte allen einen netten Abend. Der Tross löste sich auf und ich war nach 61 km wieder an der Schrottsäule angekommen.


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3 Gedanken zu “Bericht: Radtour – Zum „drive in“

  • Karina Enders

    Es sind einfach immer wieder tolle Touren, gut ausgearbeitete und mit freundlichen netten Menschen,die Touren Leiter machen sich sehr viel Arbeit und mühe und möchte mich auf diesem wege bedanken.
    Sind im Februar keine Touren?
    Viele Grüße
    Karina Enders

  • Manfred Kraske

    …Sie mögen etwas rückständig sein – aber es gibt sie noch.

    …dass ihre Zweikreiser, ihre E- oder „Normalbikes“,…

    Schade das Normalbiker auf einer offiziellen ADFC Seite als rückständig bezeichnet und ihre Bike’s in “ “ gesetzt werden.

    Gruß „NORMALBIKER“
    M. Kraske

    • Wolfgang Beier

      Danke für den Kommentar,
      ich bedaure sehr, das nach Ihrer Empfindung „Normalbiker“ oder Biobiker“ von uns als rückständig bezeichnet werden, ganz im Gegenteil. Allerdings ist der Anteil von Pedelecs bei uns schon recht hoch, was sicherlich dem fortgeschrittenen Alter der Teilnehmenden geschuldet ist. Wir haben Respekt vor allen, die es immer wieder schaffen mit Fahrrädern ohne Elektroantrieb an unseren Touren teilzunehmen – seien sie noch so weit oder haben eine beträchtliche Anzahl von Höhenmetern auszuweisen. Der Anteil der Teilnehmenden mit Fahrrädern ohne Elektroantrieb liegt je nach Tourtyp zwischen 15 und 25%, deren Fahrer sind bis zu 82 Jahre alt.
      Rückständig … nein … wir nehmen Rücksicht auf alle, die an unseren Touren teilnehmen und passen unsere Geschwindigkeit so an, das alle entspannt mitradeln können. Wir verzichten ganz bewusst auf reine Pedelec Touren, damit niemand diskriminiert wird.